Tinnitus: Was tun bei Ohrgeräuschen?

Pfeifen, Rauschen oder Summen im Ohr kann beunruhigend sein. Hier finden Sie Orientierung: was Tinnitus ist, wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist und welche Rolle ein Hörtest dabei spielen kann.

Fast jeder Mensch kennt kurze, vorübergehende Ohrgeräusche, etwa nach einem lauten Konzert. Von Tinnitus spricht man erst, wenn solche Geräusche länger anhalten und störend wahrgenommen werden. Das ist unangenehm, aber in aller Regel kein Grund zur Panik. Was jetzt hilft, hängt vor allem davon ab, wie die Ohrgeräusche aufgetreten sind und ob weitere Beschwerden dazukommen.

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Was ist Tinnitus?

Tinnitus bezeichnet das Wahrnehmen von Geräuschen, für die es keine äußere Schallquelle gibt, etwa Pfeifen, Rauschen, Summen oder Zischen. Kurze, spontane Ohrgeräusche sind normal und kennt fast jeder. Von Tinnitus im eigentlichen Sinn spricht man, wenn die Geräusche länger anhalten und die betroffene Person stören oder belasten. Besteht ein Tinnitus länger als drei Monate, gilt er nach der ärztlichen Leitlinie als chronischer Tinnitus. Kürzer bestehende, meist plötzlich aufgetretene Ohrgeräusche werden als akuter Tinnitus bezeichnet, oft im Zusammenhang mit einem Hörsturz.

Wann sollten Ohrgeräusche ärztlich abgeklärt werden?

Akute Ohrgeräusche, die plötzlich auftreten, sollten wie ein Hörsturz behandelt werden, also zeitnah beim HNO-Arzt vorgestellt werden. Das gilt besonders, wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen dazukommen:

Bestehen die Ohrgeräusche schon länger, sind eher schwach ausgeprägt und treten diese Begleitzeichen nicht auf, ist eine Abklärung beim HNO-Arzt in den nächsten Tagen bis Wochen sinnvoll, aber meist kein akuter Notfall. Wichtig zu wissen: Ein Hörtest beim Hörakustiker ersetzt diese ärztliche Abklärung nicht. Er kann eine gute Ergänzung sein, aber die Diagnose und der Ausschluss ernsterer Ursachen gehören in ärztliche Hände.

Hängen Tinnitus und Hörverlust zusammen?

Häufiger, als viele denken. Nach der aktuellen ärztlichen Leitlinie ist Tinnitus in über 90 Prozent der Fälle von einem mehr oder weniger stark ausgeprägten, messbaren Hörverlust auf dem betroffenen Ohr oder beiden Seiten begleitet. Für viele Betroffene steht dabei das Ohrgeräusch im Vordergrund, während der eigentlich vorhandene Hörverlust selbst gar nicht bemerkt wird. Das lässt sich nachvollziehbar erklären: Das Gehirn versucht, die durch den Hörverlust fehlenden Frequenzen auszugleichen, wodurch der Tinnitus lauter wahrgenommen werden kann. Ob und wie stark ein Hörverlust vorliegt, lässt sich mit einem Hörtest feststellen. Wenn Sie unabhängig vom Tinnitus bereits den Eindruck haben, insgesamt schlechter zu hören, finden Sie auf unserer Seite Was tun bei nachlassendem Gehör? weitere erste Schritte.

Was hilft wirklich, und was nicht?

Der Satz „Bei Tinnitus kann man nichts machen" ist nach aktueller ärztlicher Einschätzung nicht richtig, auch wenn es keine Methode gibt, ein Ohrgeräusch von einem Moment auf den anderen komplett abzuschalten. Behandlung und Beratung können dazu beitragen, dass ein Tinnitus weniger stört oder aus der bewussten Wahrnehmung verschwindet. Diesen Vorgang nennt man Habituation, eine Art Lernprozess des Gehirns.

Als hilfreich gelten vor allem eine gründliche Aufklärung und Beratung durch den behandelnden Arzt sowie, bei chronischem Tinnitus, tinnitusspezifische kognitive Verhaltenstherapie. Beides ist nach der Leitlinie wissenschaftlich gut belegt. Selbsthilfegruppen können ebenfalls eine echte Unterstützung sein.

Ehrlich gesagt gehört zu einer guten Beratung auch, was nicht ausreichend belegt ist: Für Medikamente wie Ginkgo-Präparate oder Betahistin gibt es bei chronischem Tinnitus keinen Wirksamkeitsnachweis, ebenso wenig für eine Kortisonbehandlung im chronischen Stadium. Auch ein sogenannter Tinnitus-Noiser, ein kleines Gerät mit gezieltem Rauschen, ist nach aktueller Datenlage nicht zwingend erforderlich, auch wenn er in manchen Fällen eingesetzt wird. Diese Einordnung übernehmen wir bewusst so aus der ärztlichen Leitlinie, statt Ihnen ein Gerät als Lösung zu verkaufen, das die Wissenschaft aktuell nicht als notwendig ansieht.

Kann ein Hörtest bei Tinnitus sinnvoll sein?

Ja, vor allem zur Einordnung. Da Tinnitus so häufig mit einem Hörverlust einhergeht, kann ein Hörtest zeigen, ob und in welchen Frequenzbereichen das Gehör eingeschränkt ist. Das ist eine wichtige Information, unabhängig davon, was die ärztliche Untersuchung ergibt. Ein Hörtest bei sonaris Hörakustik ist kostenlos und unverbindlich und dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten.

Was ein Hörtest beim Hörakustiker nicht leisten kann: eine Tinnitus-Diagnose stellen, ernstere Ursachen ausschließen oder eine ärztliche Behandlung ersetzen. Dafür bleibt der HNO-Arzt die richtige Adresse.

Kann ein Hörgerät bei Tinnitus helfen?

Wenn gleichzeitig ein Hörverlust besteht, kann der Ausgleich durch ein Hörgerät die Habituation unterstützen und die Tinnitusbelastung nach ärztlicher Einschätzung oft positiv beeinflussen. Das Gehirn bekommt durch das Hörgerät wieder mehr der fehlenden Signale, wodurch der Tinnitus in manchen Fällen weniger im Vordergrund steht. Ein Hörgerät ist damit ein möglicher Baustein, aber keine Heilung und keine Garantie. Ob eine Hörgeräteversorgung in Ihrem Fall sinnvoll sein könnte, klärt sich am besten in einem persönlichen Gespräch nach dem Hörtest und in Abstimmung mit Ihrem HNO-Arzt.

Kurz gesagt: Plötzliche Ohrgeräusche mit Hörminderung, Schwindel oder einseitigen Beschwerden gehören zeitnah zum HNO-Arzt. Bei länger bestehenden Ohrgeräuschen hilft ein Hörtest zu klären, ob ein Hörverlust mitspielt. Eine Heilung verspricht seriös niemand, aber Beratung, Verhaltenstherapie und bei Bedarf ein Hörgerät können die Belastung spürbar verringern.

Hörtest und Beratung in Berlin-Lichtenberg

Wenn Sie klären möchten, ob bei Ihnen ein Hörverlust vorliegt, sind Sie bei uns in der Bürgerheimstraße 19 in Berlin Lichtenberg richtig, nahe S-Bahnhof Lichtenberg. Als inhabergeführter Meisterbetrieb nehmen wir uns Zeit für Ihre Situation und erklären Ihnen die Ergebnisse verständlich. Wenn wir den Eindruck haben, dass eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist, sagen wir Ihnen das offen und verweisen Sie gerne an einen HNO-Arzt. Mehr zum Ablauf finden Sie auf unserer Seite Wie läuft ein Hörtest ab?

Häufige Fragen

Wenn die Ohrgeräusche plötzlich auftreten, mit einer spürbaren Hörminderung, Schwindel oder nur auf einer Seite auftreten, sollten Sie zeitnah einen HNO-Arzt aufsuchen. Bei länger bestehenden, eher schwachen Ohrgeräuschen ohne diese Begleitzeichen ist eine Abklärung in den nächsten Tagen bis Wochen sinnvoll, aber meist kein Notfall.

Sehr häufig, auch wenn Betroffene das selbst nicht immer bemerken. Laut der aktuellen ärztlichen Leitlinie ist Tinnitus in über 90 Prozent der Fälle von einem messbaren Hörverlust auf einem oder beiden Ohren begleitet. Der Tinnitus steht für viele Menschen im Vordergrund, während der eigentliche Hörverlust unbemerkt bleibt.

Nein, ein Hörgerät heilt Tinnitus nicht und das verspricht auch keine seriöse Quelle. Wenn gleichzeitig ein Hörverlust besteht, kann der Ausgleich durch ein Hörgerät die sogenannte Habituation unterstützen, also das Gewöhnen des Gehirns an das Ohrgeräusch, wodurch es als weniger belastend wahrgenommen wird. Das ist etwas anderes als eine Heilung.

Ein Hörakustiker kann mit einem Hörtest prüfen, ob und wie stark gleichzeitig ein Hörverlust besteht, und bei Bedarf passende Hörgeräte anpassen. Die eigentliche Diagnose des Tinnitus, der Ausschluss ernsterer Ursachen und die medizinische Behandlung sind Aufgabe des HNO-Arztes. Ein Hörtest beim Hörakustiker ersetzt diese ärztliche Abklärung nicht.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V. (DGHNO-KHC): Patientenleitlinie Chronischer Tinnitus, AWMF-Register-Nr. 017/64, Stand August 2021. register.awmf.org
  2. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Ohrgeräusche (Tinnitus). gesundheitsinformation.de

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